Erste Einlagerung der Getreidebank von Keur Ndoury.

Senegal - In Daga Birame und Keur Ndoury sind Ernte und Lagerung von Hirse eine Frage des Überlebens. Die Einrichtung von Getreidebanken hat die Situation grundlegend verändert.

Die Sonne ist kaum über den Dörfern Daga Birame und Keur Ndoury in der ländlichen Gemeinde Ndiognick aufgegangen, da legt sich bereits die Hitze über die sandigen Böden. Zwischen Juli und November wiegen sich die Hirsefelder im Wind und tragen die Hoffnungen der bäuerlichen Familien in sich. Hier ist jede Ernte das Ergebnis monatelanger Arbeit unter dem Einfluss unberechenbarer Regenfälle. In diesen Dörfern, in denen die Landwirtschaft den Alltag bestimmt, kann der Verlust eines Teils der Ernte eine Familie zu wochenlanger Entbehrung oder sogar zur Abwanderung zwingen.

Andere Banken

In der Schweiz legen wir unsere Ersparnisse bei der Bank an, um für unvorhergesehene Ereignisse vorzusorgen und die Zukunft zu planen. In Daga Birame und Keur Ndoury ist die Logik ähnlich, doch hier wird der Reichtum, den man schützt, nicht in Geldscheinen gemessen. In den neuen Gemeinschaftsbanken werden sorgfältig Säcke mit Hirse, Mais oder Erdnüssen gelagert. Weit mehr als nur eine Ernte verkörpern sie die Ernährungssicherheit der Familien.

Weniger Stress

Im Schatten eines Baumes betrachtet Omar Wilane, Dorfchef von Daga Birame, mit Stolz das neue Gebäude. „Früher lagerte ich meine Säcke hinter meinem Haus. Die Sonne beschädigte sie, sie rissen ein und ich verlor einen Teil meiner Ernte. Das verursachte mir viel Stress“, erzählt er.

Heute sind seine Getreidevorräte endlich vor Feuchtigkeit, Nagetieren und Witterungseinflüssen geschützt. Für die Frauen in den Dörfern ist die Veränderung ebenso entscheidend. Aissatou Diagne, Sekretärin des Komitees von Keur Ndoury, erinnert sich an die sogenannten Hungerzeiten zwischen Juli und September, wenn die Vorräte vor der nächsten Ernte aufgebraucht sind: „Ich war gezwungen, Hirse auf Kredit zu sehr hohen Preisen zu kaufen. Jedes Jahr verschuldete ich mich mehr.“ Dank der Getreidebanken können die Familien nun in dieser kritischen Phase einen 50-Kilo-Sack beziehen und ihn nach der Ernte in Hirse zurückzahlen, mit einem moderaten Zinssatz von 10%.

Organisierte Solidarität

Hinter dieser Organisation zeichnet sich ein Modell einer gemeinschaftlichen Wirtschaft ab, das sowohl nachhaltig als auch solidarisch ist. Jede Getreidebank wird von einem sechsköpfigen Komitee sowie einem gewählten Verwalter geführt, unter der Kontrolle einer unabhängigen Kommission. Die erwirtschafteten Einnahmen ermöglichen sowohl den Betrieb der Infrastrukturen als auch den Aufbau von Solidaritätsreserven für die am stärksten gefährdeten Familien. Hinzu kommt die Bereitstellung landwirtschaftlicher Ausrüstung wie Mühlen, mobile Dreschmaschinen, Sämaschinen und Hacken, die gegen einen Beitrag genutzt werden können.

In dieser Region, in der eine schlechte Erntezeit einen ganzen Haushalt in seiner Existenz gefährden kann, sind diese Getreidebanken weit mehr als nur ein Lagerort. Sie schenken den Menschen eine wertvolle innere Sicherheit.

Xavier Mühlethaler